Attestausbildungen öffnen Türen ins Berufsleben

27.04.2020
Vor 20 Jahren richteten wir die ersten Ausbildungsplätze für Jugendliche mit schulischen Defiziten ein. Heute bilden wir jährlich über 20 Lernende aus. Die Attestausbildungen sind wichtiger denn je, weil sie nicht nur der Abwärtsspirale von Arbeitslosigkeit und Armut, sondern auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Was im Jahr 2000 mit vier Anlehrplätzen begann, ist heute zu einem professionellen Ausbildungsbetrieb mit über 20 Ausbildungsplätzen für Attestlernende angewachsen. Mit ihrem Engagement als Ausbildungsbetrieb nimmt die Caritas Luzern eine wichtige sozialpolitische Verantwortung wahr. Sie ermöglicht Jugendlichen mit schulischen Schwächen, die vorwiegend praktisch begabt sind, den Einstieg ins Berufsleben. «So wirken wir der drohenden Abwärtsspirale aus Arbeitslosigkeit, Armut und sozialer Ausgrenzung entgegen», erklärt David Jund, Leiter Bildung, der die Attestausbildungsplätze bei der Caritas Luzern mit aufgebaut hat. «Gleichzeitig sichern wir den Nachwuchs von Berufsleuten in Bereichen, in denen es immer mehr an Fachkräften mangelt», fügt Jund an. «Wir erhalten jeweils sehr gute Rückmeldungen aus dem ersten Arbeitsmarkt zum Ausbildungsstand unserer Lernenden.» Aktuell bildet die Caritas Luzern Attestlernende im Detailhandel, in der Gastronomie, Hauswirtschaft, Schreinerei und Logistik aus.

Professionalisierung und Standardisierung

Für Jugendliche mit schulischen Defiziten, aus sozial schwierigen Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund war es schon immer schwierig, nach der obligatorischen Schulzeit einen regulären Ausbildungsplatz zu finden. Durch die drastisch steigende Jugendarbeitslosigkeit nahm das Problem 2002 neue Ausmasse an. Die Caritas Luzern baute ihr Ausbildungsangebot daraufhin kontinuierlich aus. 2007 wurden die sogenannten Anlehren durch eine neue, stärker standardisierte zweijährige Grundausbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) ersetzt. Im Gegensatz zu einer Anlehre ist nach einem EBA-Abschluss bei guten Leistungen der Einstieg ins 2. Lehrjahr der dazugehörigen drei- oder vierjährigen EFZ-Grundbildung möglich. Damit wurde es für die Absolventinnen und Absolventen einfacher, Anschlusslösungen zu finden und vom zweiten in den ersten Arbeitsmarkt zu wechseln. Das bestätigen auch ehemalige Lernende: «Nach meinem erfolgreichen EBA-Abschluss im Restaurant Brünig der Caritas Luzern kann ich nun eine verkürzte EFZ-Ausbildung als Restaurantfachmann absolvieren», erzählt Raphael Stutz. «Danach möchte ich einige Jahre Berufserfahrung sammeln, bevor ich mich an der Hotelfachschule bewerben werde. Mein Traum ist es, einmal mein eigenes Hotel zu führen.»

Individuelle Begleitung und Förderung

Während der gesamten Ausbildung werden die Lernenden von fachlich qualifizierten Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern angeleitet und sorgfältig und kompetent begleitet. «Die Lernenden eignen sich dabei nicht nur fachliches Wissen an, sie werden auch gezielt in ihrer Sozial- und Selbstkompetenz gestärkt», ergänzt David Jund. Nebst der intensiven Betreuung im Betrieb können die Jugendlichen ein Unterstützungsangebot des Kantons Luzern in Anspruch nehmen, das die schulische Ausbildung der Jugendlichen unterstützt und ihre Erfolgschancen bei den Lehrabschlussprüfungen erhöht. Weiter helfen Freiwillige den Jugendlichen, schulische Defizite in der Mathematik, der Informatik oder der Sprache aufzuarbeiten. Damit die Lernenden einen möglichst breiten Einblick in ihr Berufsfeld erhalten, können sie im 2. Lehrjahr einen vierwöchigen Einsatz in einem Ausbildungsbetrieb in der Privatwirtschaft absolvieren. Dies gewährt ihnen einen ersten Einblick in die Arbeitswelt, die sie nach der Ausbildung erwartet. David Jund blickt mit Stolz auf die letzten 20 Jahre zurück: «Mit den massgeschneiderten Ausbildungen führten wir über 80 Jugendliche in kleinen Schritten zu einem anerkannten Berufsabschluss, der ihnen die Türen zu einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn öffnete.»

Dieser Artikel erschien auch im Caritas-Magazin «Nachbarn» 1/2020.