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Corona-Krise: «Bei Caritas wurde ich als Mensch behandelt»

25.04.2021

Die Corona-Krise macht deutlich: Armut kann jede und jeden treffen. Caritas Luzern engagierte sich während der Pandemie intensiv für Menschen in Not. Sie setzte sich für kurzfristige Überbrückungslösungen ein und sorgte gleichzeitig dafür, dass ihre Angebote auch in Zukunft wirksam sind.

Frühling 2020: Die Corona-Pandemie nimmt auch in einem Zentralschweizer Dörfchen weitab vom Schuss ihren Lauf. Nadine L.* sitzt an ihrem Küchentisch und zerbricht sich den Kopf. Vor ihr liegen unbezahlte Rechnungen – doch mit welchem Geld soll sie diese begleichen? Da sie sich alleine um ihren Sohn kümmert, kann sie nur in einem 80-Prozent-Pensum arbeiten. Als Restaurantfachfrau in Kurzarbeit erhält sie nur 80 Prozent ihres Teilzeitlohns, und das Trinkgeld fällt weg. Die Ausgaben bleiben aber gleich hoch. Mitte Monat denkt sie: «Jetzt ist fertig, jetzt gibt es nichts mehr zu essen bis Ende Monat.» Obwohl es ihr zu Beginn unangenehm ist und sie lieber ohne Unterstützung durchkommen würde, macht sie einen Termin bei der Sozial- und Schuldenberatung von Caritas Luzern ab. Nach einem Gespräch und einigen Abklärungen erhält sie einen einmaligen Betrag von 800 Franken. Sie erinnert sich: «Das hat mir wahnsinnig Luft gegeben.» Die Sozial- und Schuldenberatung empfiehlt ihr wie in den meisten Fällen sich bei der Sozialhilfe zu melden.

«Das Geld von Caritas kam schnell»

Im Februar 2021 steht sie wegen der gleichen Gründe erneut vor finanziellen Schwierigkeiten und meldet sich bei der Gemeinde. «Dort erhielt ich eine Zusage für eine Prämienverbilligung, aber eine Absage für weitere finanzielle Hilfe der Gemeinde.» Sie fühlt sich in dieser Krise allein gelassen. «Hier bei Caritas wurde ich als Mensch auf Augenhöhe behandelt und nicht in eine Schublade gesteckt. Das Geld kam schnell, und der Verlauf war unbürokratisch.»
 

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Corona-Spenden sofort eingesetzt

Caritas Luzern hat vergangenes Jahr viele Spenden für die Corona-Hilfe erhalten: Insgesamt waren es 910 075 Franken. 80 Prozent davon hat Caritas Luzern bereits 2020 in ihre Angebote der Armutsbekämpfung investiert. Der grösste Teil floss in die direkte Linderung der Not, wie sie Nadine L. erfahren musste. Im Jahr 2020 wurde viermal so viel Not- und Überbrückungshilfe ausbezahlt wie im vorangegangenen Jahr. Damit erhielten 1646 Betroffene finanzielle Unterstützung, also rund ein Drittel mehr im Vergleich zu 2019. 2020 waren die Menschen auf höhere Beträge angewiesen,um über die Runden zu kommen. Diese Hilfeleistung war dank einer langjährigen Partnerschaft mit der Glückskette möglich. Die grosse Solidarität von Spenderinnen und Spendern hat Caritas Luzern auch in Form von weiteren Angeboten der Armutsbekämpfung eingesetzt, die soziale Not auf unterschiedliche Weise lindern. «Unsere Hilfe war auch im Jahr 2020 vielfältig, und gerade während der Corona-Krise waren unsere Angebote besonders wichtig», sagt Daniel Furrer, Geschäftsleiter von Caritas Luzern. «Ich danke alle Spenderinnen und Spendern von ganzem Herzen.»
 
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Pandemie zeigt Wichtigkeit der Caritas-Angebote

«Als die Schulen und Sportvereine schlossen, waren armutsbetroffene Kinder noch isolierter als sonst. Der Kontakt mit ihren freiwilligen Gotten und Göttis vom Patenschaftsprojekt ‹mit mir› war deshalb noch wichtiger als zuvor», sagt Nicole Scherer, Projektleiterin «mit mir». Auch Lernende haben mit der Corona- Krise zu kämpfen. «In geschlossenen Restaurants ist es schwierig, praktische Erfahrungen beim Kochen und in der Gästebetreuung zu sammeln, wenn keine Gäste da sind», sagt Yvonne Kretz, Leiterin Gastronomie und Hauswirtschaft. Caritas Luzern musste kurzfristig neue Ideen aus dem Boden stampfen, um die Berufsbildung und Betreuung der Attestlernenden während der Schliessung der Schulen und Restaurants zu sichern. Aufgrund der Pandemie stieg die Arbeitslosigkeit im Kanton Luzern. Die Nachfrage nach Arbeitsintegrationsplätzen in den Programmen von Caritas Luzern ist dementsprechend hoch. Corona machte auch vor den Kulturbetrieben und der KulturLegi nicht Halt. Um Menschen mit knappem Budget auch in Zukunft den Zugang zu Kultur und Freizeitaktivitäten zu ermöglichen, wurde das Angebot gezielt weiterentwickelt. Eine wichtige Rolle in der Pandemie spielten zudem die Caritas-Märkte. Die Bereitstellung von vergünstigten und gesunden Lebensmitteln hat das Budget von Menschen in Not spürbar entlastet.

Schuldenberatungen stark angestiegen 

Die Anzahl der Schuldenberatungen und -anfragen hat auch in der zweiten Welle bei Caritas Luzern stark zugenommen. Trotz Zugang zu staatlichen Hilfsmassnahmen haben viele Haushalte seit dem Beginn der Pandemie Einkommenseinbussen erlitten. «Dazu gehören vor allem Working Poor, mehrheitlich aus der Gastronomie, Hotellerie und Reinigungsbranche, Selbstständige und Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus», weiss Antje Sonntag, Sozialarbeiterin bei der Sozial- und Schuldenberatung.

Neue Regelung greift nicht für alle

Im Dezember 2020 wurde eine neue Regelung der Kurzarbeitsentschädigung eingeführt: Einkommen bis 3470 Franken werden neu zu 100 Prozent entschädigt. «Trotz der neuen Regelung des Bundes finden wir immer wieder Lohnabrechnungen vor, in denen dies nicht eingehalten wird», ergänzt Sonntag. Es ist nicht nachvollziehbar, ob die Problematik bei den jeweiligen Arbeitgebenden oder bei den amtlichen Stellen liegt. Klar ist: Es profitieren bis jetzt nicht alle, die darauf angewiesen sind, von diesen Verbesserungen, und der Lohnsatz ist extrem tief angesetzt. Auch vor der Pandemie lebten Nadine L. und ihr Sohn nicht auf grossem Fuss. Doch ihr Einkommen reichte, um über die Runden zu kommen. Trotz schwierigen Lebensumständen schaut Nadine L. positiv in die Zukunft: «Meine grösste Hoffnung ist, dass ich so schnell wie möglich wieder arbeiten kann.»

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Helfen Sie mit

Die Lage ist für viele Menschen, die bereits vor der Corona-Krise am Existenzminimum lebten, dramatisch. Das Team unserer Sozial- und Schuldenberatung hilft den Betroffenen während dieser Ausnahmesituation über die Runden zu kommen – mit einmaligen Finanzhilfen, Lebensmittelgutscheinen, einer Budgetberatung und weiteren Sofortmassnahmen. Damit wir unser Angebot aufrechterhalten können, sind wir dringend auf Ihre Spenden angewiesen. Setzen Sie ein solidarisches Zeichen für die Schwächsten unserer Gesellschaft. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.