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Das Veloteam gibt Gas

19.05.2021

Die Abteilung Velomobilität von Caritas Luzern führt ein vielfältiges Angebot: Die Mitarbeitenden reparieren, reinigen, verleihen und verkaufen Velos. Zudem halten sie öffentliche Veloabstellplätze in Luzern und Sursee ordentlich. Die Sozialfirma bietet Einsatzplätze für Stellensuchende und Ausgesteuerte an. Die Corona-Pandemie zeigt: Ihre Arbeit ist wichtiger denn je.

Es ist einer der ersten sonnigen Tage im Februar. Gut gelaunt läuft Nam F.* durch die Strassen Luzerns und ordnet die Räder auf den öffentlichen Abstellplätzen. Die Velofahrenden sind heute brav unterwegs: Die meisten Fahrräder stehen in Reih und Glied innerhalb der markierten Fläche. In den wärmeren Monaten kann das anders aussehen. «Ich mache meine Arbeit gerne», sagt Nam F. mit einem Lächeln im Gesicht. Er ist einer von 24 Teilnehmenden mit unterschiedlichen Pensen des Arbeitsintegrationsprogramms Abteilung Velomobilität. Die Sozialfirma bietet sinnvolle Einsatzplätze für Stellensuchende und Ausgesteuerte an. Normalerweise bleiben sie zwei bis sechs Monate. Die Mitarbeitenden von Caritas Luzern begleiten sie arbeitsagogisch und fördern ihre sozialen und fachlichen Kompetenzen, um sie für den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Je nach Fähigkeiten führen sie leichte oder komplexere Aufgaben aus. Erich Betschart ist Leiter der Velodienste Luzern, die unter anderem die Velostation beim Bahnhof betreiben. Er betreut die Teilnehmenden: «Wir versuchen, ihren Stärken und Schwächen gerecht zu werden und ihr Potenzial
voll auszuschöpfen.»

Grosse Nachfrage nach Einsatzplätzen

Die Einsatzplätze sind beliebt und seit Jahren stets belegt. Interessierte müssen mit immer länger werdenden Wartefristen rechnen. «Es gibt mehr Menschen, die einen Platz suchen, als Einsatzplätze», sagt Oliver Rippstein, Leiter Velomobilität. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Arbeitslosigkeit im Kanton Luzern von 1,6 auf 2,2 Prozent gestiegen. Eine Rekordzahl seit der Finanzkrise 2008. Die Nachfrage nach Arbeitsintegrationsprogrammen ist dementsprechend hoch.

Reparatur-, Reinigungs- und Verleihservice

Nach seiner 1,5-stündigen Tour kehrt Nam F. wieder zurück zur orange leuchtenden Velostation beim Bahnhof Luzern. Hier geht es fleissig zu und her: Seine Arbeitskollegen reinigen, reparieren und verleihen Velos. Es vergeht keine halbe Stunde, ohne dass jemand einen Drahtesel vorbeibringt, um ihn für den Frühling fit machen zu lassen oder in der bewachten Velostation unterzubringen. Auch wer ein neues Occasionvelo braucht, wird hier fündig. Der erwirtschaftete Verkaufserlös fliesst zurück in soziale Projekte von Caritas Luzern.

Diversifiziertes Angebot schafft Synergien

Caritas Luzern betreibt zusätzlich das Fahrradverleihsystem nextbike, das mit rund 1000 Rädern in der ganzen Zentralschweiz beliebt ist. Neben der Werkstatt in Luzern gibt es die Velodienste in Kerns, Sursee und Littau. Im Auftrag der Luzerner Polizei sammelt und registriert Caritas Luzern zudem verlassene Velos auf fundvelo.ch. «Unsere Stärke ist, dass wir so ein diversifiziertes Angebot führen», sagt Rippstein. Dies schaffe Synergien für alle – die öffentlichen und privaten Kundinnen, Auftraggeber sowie für die Angestellten.
 
Velodienste_Luzern

Digitalisierung und gesundes Wachstum

Das Veloteam ist auch in Sachen Digitalisierung auf dem Vormarsch. Gerade ist es dabei, den Service Fundvelo auszubauen. Bald können Luzernerinnen und Luzerner via App nicht nur gefundene Velos melden, sondern auch eigene vermisste Velos suchen. Die Occasionvelos sind seit Kurzem auch im Onlineshop erhältlich. Das Wichtigste sei aber immer der Mensch, sagt Rippstein: «Bei uns wird niemand von einer Hotline abgewimmelt. Wir sind vor Ort,  tragen Verantwortung und stehen bei Problemen persönlich zur Verfügung.» Das sei gelebte
Authentizität. Auf dem heutigen Arbeitsmarkt ist es wichtig, digitale Geräte bedienen zu können. «Unser Ziel ist es, den Teilnehmenden gerecht zu werden und die Kundinnen und Kunden zufrieden zu machen», sagt Betschart. Ein weiterer Plan für das Jahr 2021 ist der Ausbau von nextbike. In den Gemeinden rund um Sursee wird die Anzahl Velos verdoppelt. Wachstum ja, aber nicht um jeden Preis: «Zentral ist bei uns immer ein gesundes Wachstum», sagt Rippstein. Für Nam F. ist der Arbeitstag bald zu Ende. Ob er selbst gerne Velo fährt? «Natürlich, das macht schöne Beine», witzelt er und düst mit seinem Bike in den Feierabend.

* Name zum Schutz der Person geändert.