Die Caritas Luzern im Wandel

20.05.2020
Was war im Jahr 2019 besonders für die Caritas Luzern? Welche Herausforderungen kommen dieses Jahr auf die Organisation zu? Ein Interview mit dem abtretenden Geschäftsleiter Thomas Thali und der Präsidentin Yvonne Schärli.

Was war im Jahr 2019 besonders für die Caritas Luzern?

Thomas Thali: Es ist aktuell nicht ganz einfach zurückzuschauen. Wir stehen inmitten der sehr herausfordernden Corona-Krise. Nach dem Shutdown mit verschiedenen Betriebsschliessungen und Umstellungen sind wir daran, die Wiedereröffnungen in die Wege zu leiten. Noch mehr beschäftigt uns die Situation der Stellensuchenden und Armutsbetroffenen. Es zeichnet sich eine starke Zunahme der Erwerbslosen und der Armut ab. Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe der Jahre 2020 und 2021 unsere Angebote ausbauen müssen.

Wenn wir nun aber zurückblicken, so war das Jahr 2019 geprägt durch eine tiefe Zahl von Teilnehmenden in unseren Arbeitsintegrationsprogrammen, was auf den Rückgang der Arbeitslosenzahlen zurückzuführen ist. Unsere Mitarbeitenden waren sehr gefordert, die Dienstleistungen mit weniger Teilnehmenden aufrechtzuerhalten. Das Ganze hat sich stark in der Rechnung niedergeschlagen. Die Caritas Luzern hat leider eine starke Fondsabnahme zu verzeichnen.

Yvonne Schärli: Die finanzielle Situation beschäftigt uns sehr. Trotzdem möchte ich allen Mitarbeitenden ein grosses Lob aussprechen. Wir haben zwar eine Fondsabnahme, aber sie wäre aufgrund des Rückgangs der Teilnehmenden eigentlich höher ausgefallen, wenn die Organisation nicht so gut gewirtschaftet hätte.

Thomas Thali: Das stimmt. Auch in allen anderen Angeboten wurde sehr gute Arbeit geleistet. Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welchem Engagement unsere Mitarbeitenden im Einsatz sind. Die Zahlen im Jahresbericht zeigen die vielfältigen Entwicklungen. Exemplarisch könnte man unser neues Restaurant Brünig oder den starken Ausbau unseres Veloverleihsystems nextbike erwähnen. Aber auch in unseren Angeboten für die Armutsbetroffenen wie der Sozial- und Schuldenberatung oder der KulturLegi stiegen die Nutzungszahlen. Das zeigt, dass wir die Menschen in Not immer besser erreichen. Auch die Caritas-Secondhandläden verzeichneten eine Umsatzsteigerung.

Yvonne Schärli: Wichtig ist auch das sozialpolitische Lobbying der Caritas Luzern. Es ist uns als Vorstand ein grosses Anliegen, uns für die Armutsbetroffenen und die Migrantinnen und Migranten einzusetzen. Wir beteiligten uns an Vernehmlassungen (z. B. bezüglich Alimentenbevorschussung), wir meldeten uns in Abstimmungskämpfen (z. B. rund um die Prämienverbilligungsinitiative) und die operative Ebene traf sich regelmässig mit Vertreterinnen und Vertretern aller Fraktionen des Kantonsparlaments. Aktuell haben wir mit einem Brief an alle Kantonsparlamentarier und Kantonsparlamentarierinnen auf die schwierige Situation der Armutsbetroffenen in der Corona-Krise hingewiesen.

Was hat sich im Kanton Luzern im Laufe des Jahres verändert, was blieb gleich?

Thomas Thali: Nach mehreren Jahren, in denen nur übers Sparen gesprochen wurde, haben wir beim Kanton eine Budgetierung erlebt, die endlich wieder einmal ohne Sparen abgelaufen ist. Es ist auch sehr erfreulich, dass die Sparmassnahmen bezüglich Prämienverbilligung zurückgenommen wurden. Die Gerichte haben hier Klartext gesprochen. Ausserdem stellen wir bei einzelnen Gemeinden wie Kriens und Emmen fest, dass sie ihre rigorose Sparpolitik bezüglich Arbeitsintegrationsmassnahmen für Sozialhilfeempfängerinnen und –empfänger wieder gelockert haben. Hier gibt es aber noch Luft nach oben. Es wäre sehr schön, wenn die Politik im sozialen Bereich endlich mehr investieren würde. Alle wissen, dass sich das längerfristig auszahlt und kommende Generationen damit sparen könnten.

Yvonne Schärli: Es stellt sich natürlich heute die Frage, wie es nach der Corona-Krise weitergeht. Die öffentliche Hand hat auf allen Ebenen viel Geld ausgegeben und die Schulden werden massiv ansteigen. Wir befürchten, dass dies wieder Druck auf die Gelder im Sozialbereich auslösen wird. Das wäre fatal.

Welche Herausforderungen kommen auf die Caritas Luzern zu?

Thomas Thali: Auch hier gilt es zuerst die Corona-Krise zu erwähnen. Unsere Betriebe sind nun sehr gefordert und hoffen auf ein speditives Vorgehen der zuweisenden Behörden wie RAV und Sozialämter. Es hat viele Stellensuchende und wir brauchen ihre Mitarbeit in unseren Betrieben, damit diese gut funktionieren. Mittelfristig werden wir alles tun, um die Angebote für Stellensuchende der steigenden Nachfrage anzupassen. In Bezug auf die Armutsbetroffenen haben wir unsere Hilfeleistungen schon ausgebaut. Wir haben in letzter Zeit einen erfreulichen Zuwachs an Unterstützungsgeldern verzeichnen können, den wir umgehend weitergeben.

Yvonne Schärli: Wir bleiben unserem Auftrag treu, den Menschen unkompliziert und schnell zur Seite zu stehen, damit sie wieder auf die Beine kommen. Egal ob sie aufgrund der aktuellen Herausforderungen der Corona-Krise durch das soziale Netz zu fallen drohen oder aufgrund ihrer Herkunft schwierige Voraussetzungen haben – wir setzen uns mit unseren Angeboten für sie ein.

Thomas Thali, Sie sind seit 2009 Geschäftsleiter und werden Ihr Amt Ende Mai nach elf Jahren abgeben. Welchen Wandel haben Sie in dieser Zeit bei der Caritas Luzern erlebt?

Thomas Thali: Das Konstante in unserer Arbeit ist die Veränderung. Die Caritas Luzern hat es immer verstanden, auf Veränderungen zu reagieren und ihre Angebote laufend anzupassen. Sie ist dabei ihrem Leitbild stets treu geblieben. Für mich war und ist das entscheidend. Wir sind eine ganz gewichtige soziale Stimme auf dem Platz Luzern und werden es auch bleiben.

Yvonne Schärli: Das kann ich dir versprechen, Thomas. An dieser Stelle möchte ich dir im Namen des Vorstandes, aber auch der Mitarbeitenden und aller Menschen, die wir in dieser Zeit unterstützen konnten, für deinen grossen Einsatz und dein wertvolles Engagement ganz herzlich danken. Wir wünschen dir für die Zukunft alles Gute.