Die Scham, aufs Sozialamt zu gehen

22.01.2019
Wie ist es, als alleinerziehende Mutter auf dem Land Sozialhilfe beziehen zu müssen? Martina Merida erzählt von Stigmatisierung, sozialer Isolation und einem hoffnungsvollen Neuanfang.

Martina Merida (Name geändert) weiss, was es heisst, sich der eigenen Armut schämen zu müssen. Sie kennt soziale Isolation, schlaflose Nächte aus Sorge, aber auch den Start in eine hoffnungsvolle Zukunft. Martina Merida hatte nie mit ihren vier Kindern allein sein wollen. Doch die Ehe ging auseinander. Im Dorf gab es Gerede; erst recht, als Martina Merida Sozialhilfe beantragen musste. Sie wurde geschnitten. Diese Missachtung tat weh.

Der Schritt zum Sozialamt braucht Überwindung

Der Schritt zum Sozialamt war einschneidend. «Der Entscheid, dorthin zu gehen, ist schwierig und braucht Überwindung. Es war eine tränenreiche, beschämende Zeit», berichtet Martina Merida. Verwandte hatten sie und ihre Kinder schon bei der Miete unterstützt, aber erst der fast leere Kühlschrank und der drohende Verlust der Wohnung brachten sie dazu, ihr Recht auf Sozialhilfe anzumelden. «Aber die Scham, die ist für jemanden, der Selbstwert und ein wenig Stolz hat, eine Katastrophe», fasst Martina Merida ihre Erfahrungen zusammen.

Sie war freilich schon immer eine Kämpferin, und die Sorge um ihre Kinder motiviert sie, nicht aufzugeben. Mit kleineren Teilzeit-Anstellungen kann sie nun Berufserfahrungen nachweisen. Sie weiss, dass sie etwas leisten kann, und der Austausch mit Kollegen und Kolleginnen hat ihr gutgetan. Martina Merida plant nun eine Ausbildung als Migrationsfachperson.

Die Caritas Luzern hilft aus der Isolation

Die Scham, aufs Sozialamt zu gehen

Auf ihrem Weg ist Martina Merida von der Sozial- und Schuldenberatung der Caritas unterstützt worden. Bei uns fand sie Verständnis und Unterstützung für ihre Situation und wurde an weitere Organisationen vermittelt.

Mit der KulturLegi, unterstützenden Bildungsangeboten oder den Caritas-Märkten in Baar, Luzern und Sursee stehen armutsbetroffenen Menschen wirksame Hilfen zur Seite, die sie im Alltag entlasten und aus der Isolation und Stigmatisierung herausholen.

Wir unterstützen die Betroffenen, damit sie auf Selbstverständliches wie ein Abonnement der Lokalzeitung, Freizeitaktivitäten oder Weiterbildungskurse nicht verzichten müssen.

Caritas-Sonntag für arme Familien in der Schweiz

Am diesjährigen Caritas-Sonntag am letzten Januarwochenende sammeln wir Spenden und Kollekten zugunsten von armutsbetroffenen Familien in der Schweiz. Denn in der Schweiz leben mehr Menschen in Armut, als man denkt und als offizielle Statistiken ausweisen.

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung!