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Digitale Exklusion gemeinsam überwinden

25.04.2022
Ein Busticket auf dem Smartphone lösen, Rechnungen online bezahlen, Auto fahren mit dem Navi: Die Digitalisierung ist fester Bestandteil unseres Alltags. Wer keine digitalen Kenntnisse besitzt, hat es im Alltag immer schwerer. Deshalb bietet Caritas Luzern Computerkurse für Menschen mit geringen digitalen Kompetenzen an und im Digi-Treff können Menschen bei Fragen rund um Computer und Smartphone vorbeikommen.

Egal, ob man den digitalen Wandel schätzt oder verteufelt: Niemand kann ihn ignorieren. Wer nicht allein auf einer einsamen Insel lebt, kommt nicht daran vorbei, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Die Coronapandemie beschleunigte den Wandel und die Bedeutung von digitalen Technologien. Eine Studie der Universität Zürich (2021) zeigt, dass 95 Prozent der Schweizer Bevölkerung im Jahr 2021 das Internet nutzten. Bei den unter 70-Jährigen sind es fast 100 Prozent. 86 Prozent der Gesamtbevölkerung sind 2021 auch mobil unterwegs. Das seien mehr als viermal so viele wie vor zehn Jahren.

Ein Fünftel der Bevölkerung ohne digitale Kompetenzen

Doch surfen ist nicht gleich surfen. Wer auf WhatsApp eine Nachricht schicken kann, kann nicht automatisch auch E-Banking nutzen oder auf Excel eine Tabelle er-stellen. Das Bundesamt für Statistik (BFS) (2021) führte eine Studie zur digitalen Kompetenz bei Internetnutzerinnen und -nutzern in der Schweiz aus und kam zum Schluss: Während knapp ein Drittel der Bevölkerung in der Schweiz digitale Grundkompetenzen besitzt, verfügt ein Fünftel über keine oder nur geringe. Dazu zählen Aufgaben mit unterschiedlichem Schweregrad wie Ordner verschieben, E-Mails senden oder Apps installieren. Das BFS untersuchte die 20 Prozent der Bevölkerung mit geringen oder gar keinen digitalen Kompetenzen genauer.

Bildung, Migrationsstatus und Alter beeinflussen digitale Kompetenzen

Sie gehen dabei von fünf Faktoren aus, welche die digitalen Kompetenzen beeinflussen. Dazu zählt der Bildungsstand: Personen, die den obligatorischen Schulabschluss in der Tasche haben, besitzen weniger Kenntnisse im Umgang mit digitalen Tools im Vergleich zu Personen mit Abschluss auf Tertiärstufe. Die Auswertung der sozioprofessionellen Kategorie zeigt, dass ungelernte Arbeitskräfte verglichen mit Personen im Kader oder aus akademischen Berufen digital weniger fit sind. «Aus Sicht des Migrationsstatus haben in der Schweiz geborene Ausländerinnen und Ausländer die höchste Wahrscheinlichkeit, lediglich über geringe digitale Kompetenzen zu verfügen», schreibt das BFS. Auch das Alter spielt mit: «Nach Alter betrachtet haben die ältesten Personen das höchste Risiko, über geringe digitale Kompetenzen zu verfügen, und nach der finanziellen Situation sind es diejenigen, welche die finanzielle Situation ihres Haushalts als schwierig bezeichnen.»

Grundkompetenzen national fördern

In diesem Sinn lautet auch eines der Kernziele der vom Bundesrat verabschiedeten Strategie «Digitale Schweiz»: «Die Kompetenzen der Schweizer Bevölkerung sollen weiter gestärkt werden, damit sie aktiv und so weit wie möglich selbstbestimmt am digitalen Leben teilnehmen kann.» Der Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben lancierte gemeinsam mit der Interkantonalen Konferenz für Weiterbildung (IKW) die schweizweite Sensibilisierungskampagne «Einfach besser!». Die von vielen Kantonen mitfinanzierte Kampagne setzte sich zum Ziel, Erwachsene, die Schwierigkeiten im Bereich Grundkompetenzen haben, zu einer Kursteilnahme im Bereich Lesen, Schreiben, Rechnen oder Computer zu motivieren. Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Luzern erhalten zwei Bildungsgutscheine im Wert von je 500 Franken pro Jahr, um Kurse zur Erwerbung der Grundkompetenzen zu besuchen.

Computerkurse für Frauen mit Kinderbetreuung

Auch Caritas Luzern bietet im Rahmen dieser Kampagne Kurse an. Dazu gehören die «Computerkurse MS-Word und Internet für Frauen mit Kinderbetreuung». Frauen mit wenig oder keinen Computer-Kenntnissen lernen, wie man beispielsweise im Word einen Text erstellt und diesen speichert. Im Raum nebenan werden ihre Kinder betreut und wenn nötig in der Sprache Deutsch gefördert. Die 31-jährige Abeba Berhane* kam vor drei Jahren aus Eritrea und besucht den PC-Kurs, während nebenan ihre 3-jährige Tochter Mary-am betreut wird: «Ich habe vieles im Kurs gelernt, zum Beispiel, wie ich eine Tabelle mache, etwas formatiere und ausdrucke. Es hat mir gut gefallen. Zu Hause habe ich keinen Computer. Ich hoffe, ich kann bald einen kaufen. Ich bin froh, dass ich Maryam mitbringen darf, sonst könnte ich den Kurs nicht besuchen.» Maria Birrer gibt bei Caritas Luzern Deutschkurse für Frauen und führte letztes Semester den PC-Kurs als Pilotprojekt erfolgreich durch. Die Frauen seien sehr interessiert und haben intensiv gelernt: «Die Chance, erste Kenntnisse am PC zu erwerben, ist für diese Frauen ein besonderes Erlebnis. Zu wissen, dass sie fähig sind, einen Computer zu bedienen und Texte zu schreiben, vermittelt ihnen das Gefühl, dass sie in der Gesellschaft mithalten können.»

«Menschen, die nicht digital unterwegs sind, werden früher oder später von der Gesellschaft ausgeschlossen.»

Auch Monika Koller, Kursleiterin und Coach bei Caritas Luzern, beobachtet, dass Menschen, die nicht digital unterwegs sind, früher oder später von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Sie leitet den Digi-Treff bei Caritas Luzern. Der Digi-Treff ist ein regelmässiger Treff, um Menschen bei verschiedenen Anwendungsfragen rund um Probleme mit dem Computer oder Smartphone zu unterstützen. «Die Mission des Digi-Treffs: verhindern, dass Menschen vereinsamen, weil ihnen digitale Kompetenzen fehlen. Hier ist keine Frage zu einfach oder zu blöd. Es hat Platz für alles und man kann ohne Scham Fragen stellen. Ausserdem ist es gratis», so Koller. Das Projekt «Digi-Treff» wird in ähnlicher Form von mehreren regionalen Caritas-Organisationen in der Schweiz umgesetzt und durch die Unterstützung von Sunrise ermöglicht.

Sich freiwillig bei Caritas engagieren und PC-Fragen beantworten

Freiwillige sind beim Digi-Treff vor Ort präsent. Sie nehmen Fragen und Anliegen auf und beraten sorgfältig. Damian Schwarz* engagiert sich als Freiwilliger beim Digi-Treff: «Als ich Kind war, waren meine Eltern abhängig von der Sozialhilfe. Wir wurden immer gut unterstützt. Deshalb möchte ich gerne einen Beitrag leisten und mich engagieren.» Schwarz macht extra früher Feierabend, damit er rechtzeitig beim Digi-Treff ankommt. Er arbeitet beruflich als IT-Supporter bei einem Pharma-Konzern und kann die Besucherinnen und Besucher deshalb optimal beraten.

Weiterführende Infos:


* Name geändert

Foto: Janmaat

Dieser Artikel erschien in unserem Magazin «Nachbarn» in der Ausgabe 1/22.