«Es reicht gerade für das Nötigste» – Leben am Existenzminimum

23.01.2019
Die Sozialhilfe steht unter Beschuss. In mehreren Kantonen fordern politische Vorstösse die Kürzung des Grundbedarfs. Ein SRF-Dokfilm geht der Frage nach, welche Motivation hinter der Kürzung steckt und welche Auswirkungen sie für die Betroffenen hätte.

«Nie hätte ich gedacht, dass es mich treffen würde», erzählt Karin de Roche. Dass sie einmal von der Sozialhilfe abhängig sein würde, hätte die 44-jährige, alleinerziehende Mutter von vier Kindern früher nicht für möglich gehalten. «Immer denkt man, so etwas kann einem selbst nicht passieren. Aber es kann jeden treffen.»

Karin de Roche lebt am sozialen Existenzminimum. Da ihr jüngster Sohn mit schweren Behinderungen zur Welt kam, ist er auf die Betreuung seiner Mutter angewiesen. Karin de Roche kann deshalb keiner Arbeit nachgehen und ist auf Sozialleistungen angewiesen.

«Es reicht gerade für das Nötigste»

Von der Sozialhilfe erhält Karin de Roche den sogenannten Grundbedarf fürs tägliche Leben. Für eine fünfköpfige Familie sind das 2380 Franken pro Monat. Dieser Betrag reicht knapp zur Deckung aller Ausgaben wie Lebensmittel, Haushaltsartikel, Strom- und Telefonkosten, Kleider etc.

«Aber auch das nur mit Verzicht. Was für andere selbstverständlich ist, wie einen Kaffee trinken zu gehen oder einen Ausflug mit den Kindern zu unternehmen, ist für uns etwas ganz Besonderes. Ferien liegen keine drin», erklärt Karin de Roche.

Sozialhilfe deckt das Existenzminimum nicht mehr

Eine Arbeitsgruppe der SVP will den Grundbedarf nun um 30 Prozent kürzen, obwohl eine kürzlich publizierte SKOS-Studie aufzeigt, dass bereits der aktuelle Grundbedarf zu tief ist, um die Existenz zu sichern. Der SRF-Dokfilm «Sozialhilfe unter Druck – Wie viel darf man haben?» geht der Frage nach, was es heisst, mit so wenig Geld zu leben und welche Motivation dahintersteckt, den Sozialhilfebezügern die Lebensgrundlage noch mehr einzuschränken.

Günstig einkaufen im Caritas-Markt

Die vorgeschlagene Kürzung würde Karin de Roche hart treffen. Bereits jetzt muss sie an allen Ecken und Enden sparen. Damit sie mit ihrem kleinen Budget ihre ganze Familie ernähren kann, kauft sie im Caritas-Markt in Luzern ein.

Im Caritas-Markt können Menschen mit minimalem Einkommen Lebensmittel und Hygieneartikel zu stark ermässigten Preisen einkaufen. Ein Teil der Waren stammt aus Überproduktionen, Fehllieferungen und Liquidationen. Die Qualität der Produkte ist jedoch, anders als im SRF-Dokfilm angedeutet, immer einwandfrei und unterliegt den strengen Bestimmungen des Lebensmittelgesetzes.

Reportage online schauen

Den ganzen SRF-Dokfilm «Sozialhilfe unter Druck – Wie viel darf man haben?» können Sie sich auf der Website von SRF ansehen.