Grosse Nachfrage nach Arbeitsintegrationsplätzen

17.02.2021
Die angespannte Wirtschaftslage in Folge der Corona-Pandemie führt zu Stellenverlusten und bringt vor allem Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen noch stärker unter Druck. Die Nachfrage nach Plätzen in unseren Arbeitsintegrationsprogrammen ist deshalb gross. Eine Erholung ist so rasch nicht in Sicht.

Die Arbeitslosigkeit im Kanton Luzern ist im Jahr 2020 aufgrund der Corona-Pandemie von 1,6 auf 2,2 Prozent angestiegen. Letztmals lag sie nach der Finanzkrise von 2008 so hoch. Damit steigt auch die Nachfrage nach Plätzen in unseren Arbeitsintegrationsprogrammen, wo wir erwerbslose Menschen in verschiedenen Berufsfeldern auf den (Wieder-)Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt vorbereiten.

Druck auf Stellensuchende

Der angespannte Arbeitsmarkt bringt viele Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen und mit geringen Qualifikationen noch stärker unter Druck. Mit der aktuellen Arbeitsmarktlage sind ihre Chancen auf mehr Arbeitsstunden oder eine Festanstellung noch geringer geworden. «Diese Menschen kamen bereits vor der Corona-Krise trotz Erwerbstätigkeit finanziell kaum über die Runden und erhalten nun häufig die Kündigung. Fehlende Berufsbildung und sprachliche Hürden erschweren die Stellensuche und die Aussicht auf ein regelmässiges und gesichertes Einkommen massiv», erklärt Karin Hunziker, Leiterin Berufliche Integration bei Caritas Luzern. Besonders betroffen sind klassische Tieflohnbranchen wie das Gastgewerbe oder Dienstleistungsbetriebe. «Hier zeigt sich einmal mehr, dass Krisen die unterste Einkommensschicht ganz besonders treffen», bedauert Karin Hunziker.

Individuelle Förderung für den ersten Arbeitsmarkt

Die Stellensuchenden werden Caritas Luzern durch die regionalen Arbeitsvermittlungszentren sowie Gemeinden zugewiesen. «Bei uns erhalten sie einen sinnvollen und realitätsnahen Arbeitsplatz, wo sie ihren Erfahrungsschatz ausbauen und ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen erweitern können», erklärt Karin Hunziker. Durch Coachings, Bewerbungsunterstützung und weitere Bildungsangebote werden die Teilnehmenden individuell gefördert. «Der Arbeitsmarkt ist durch die Corona-Krise für unsere Zielgruppe noch umkämpfter geworden. Unsere Aufgabe ist es, die Teilnehmenden trotzdem so gut wie möglich auf den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten.»

Grosse Flexibilität gefragt

In den letzten 12 Monaten war in den Arbeitsintegrationsprogrammen aufgrund der schwankenden Teilnehmerzahlen grosse Flexibilität gefragt. Im Frühling 2020 mussten wir während des Lockdowns alle Programme schliessen. Da viele Betriebe und Dienstleistungen von Caritas Luzern in direktem Zusammenhang mit den Teilnehmenden in den Arbeitsintegrationsprogrammen stehen, waren wir gezwungen, flexibel zu reagieren und kurzfristig andere Lösungen suchen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. So halfen beispielsweise Lernende bei der Produktion in der Schreinerei aus und Mitarbeitende aus anderen Abteilungen packten bei Reinigungsarbeiten und Räumungen mit an. Ab September waren wir dann aufgrund des raschen Anstiegs der Arbeitslosenquote gefordert, die Aufnahmekapazität in unseren Arbeitsintegrationsprogrammen innerhalb von kürzester Zeit wieder auszubauen. Zwischen Anfang und Ende 2020 stieg die Zahl der Teilnehmenden von 270 auf 390 ­– mit einem Zwischentiefstand im Frühling.

Kleine Erfolge trotz angespannter Lage

Gemäss aktuellen Einschätzungen werden dieses und nächstes Jahr noch stark von der Pandemie beeinflusst sein. Für die nächsten zwei Jahre ist wohl nur eine langsame Erholung auf dem Arbeitsmarkt in Sicht. «Umso mehr freut es uns, wenn Teilnehmende eine neue Stelle, beispielsweise in Velowerkstätten oder in der Reinigung, finden», so Hunziker. «Dies zeigt, dass die Teilnehmenden bei uns viel lernen und wichtige Erfahrungen mitnehmen können, um wieder im ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Auch eine gelungene Vermittlung eines Praktikumsplatzes in einem Unternehmen, teilweise sogar mit anschliessender Anstellung, ist ein Aufsteller. Wir sind deshalb sehr dankbar, wenn uns Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber für Einsatzmöglichkeiten in ihrem Betrieb kontaktieren».