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Lichtblicke in der Schreinerei

06.01.2022

Nach einem Burn-out war für die Pflegemitarbeiterin Olga G. klar: In diesem Beruf kann sie nicht mehr weiterarbeiten. Im Arbeitsintegrationsprogramm von Caritas Luzern findet sie ohne Leistungsdruck Freude an der Arbeit mit Holz.

Arbeitslosigkeit bei Frauen hat oftmals nicht nur wirtschaftliche Gründe. Gerade in typischen Frauenberufen wie der Pflege sind Arbeitnehmerinnen prekären und belastenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Durch Mutterschaft und Beruf sind sie doppelt belastet. Dies führt häufig zu extremen Überbelastungen und Burn-out-Situationen, die es schlichtweg unmöglich machen, die Stelle zu behalten.

Vertrauen gewinnen und neue Fähigkeiten ohne Druck lernen

So erging es auch der alleinerziehenden Pflegemitarbeiterin Olga G. aus Luzern. Über das RAV erhielt sie einen Platz im Arbeitsintegrationsprogramm Intervall. Während ihres Einsatzes gewann sie wieder Vertrauen in sich selbst, erlernte ohne Leistungsdruck neue Fähigkeiten, auch, dass manchmal nicht alles perfekt sein muss, und fand Freude an der Arbeit.

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«Mir gefällt besonders gut, dass ich sehe, was ich erschaffen habe» Hier erzählt Olga G., wie sie einem Möbelstück neues Leben einhauchte und was dieser Prozess mit ihr gemacht hat.

«Als ich hier angekommen bin, hatte ich keine Erfahrung mit handwerklichen Arbeiten, ausser Nägel in die Wand zu schlagen, um ein Bild aufzuhängen. In einer Schreinerei oder mit Holz zu arbeiten, war neu für mich. Es hat mich interessiert, alte Sachen wieder zum Leben zu erwecken. Ich finde, dass viele schöne Dinge entsorgt werden, dabei gibt es so viel Leben in ihnen. Sie können zugleich klassisch und alt sein, aber auch modern und neu. Ich arbeite an jedem Stück mit viel Hingabe, und im Prozess der Arbeit kommen mir meine Ideen. Zu jedem Stück habe ich eine spezielle Verbindung. Mir ist sehr wichtig, dass am Ende ein gutes Produkt entsteht.
Ich bin mir gegenüber auch sehr kritisch, es muss einfach perfekt sein. Ich will, dass die Person, die dieses Möbel kauft, zufrieden und glücklich ist und einen schönen Platz dafür in ihrer Wohnung findet. Meine Unerfahrenheit hindert mich etwas, weil ich auch sehr kritisch bin, aber zum Glück habe ich ein Superteam: Tom, Renato und alle Jungs geben mir Tipps. Ich kann immer um Unterstützung bitten und fragen. Ich habe auch gelernt, weniger streng mit mir zu sein und, wie Tom sagt, fünf gerade sein zu lassen.
Ich schaue den anderen gerne bei der Arbeit zu, so kann ich viel dazulernen. Es macht mir einfach Spass und Freude, hier zu sein. Diese Freude möchte ich an die Person weitergeben, die das Möbel kaufen wird. Mir gefällt besonders gut, dass ich sehe, was ich erschaffen habe. Ich habe viele Jahre in der Pflege gearbeitet und habe dort zahlreiche Erfahrungen gemacht. Nun kann ich diesen Beruf nicht mehr ausüben, ich hatte ein Burn-out. Wenn man mit Menschen arbeitet, dann ist es immer so subjektiv. Ich kann sagen, ja ich habe meinen Job super gemacht, aber man sieht das Resultat nicht. Man hört nur, ob jemand zufrieden oder weniger zufrieden ist. Aber wenn ich in der Schreinerei bin und arbeite, dann sehe ich das Resultat gleich. Es ist objektiv, was durch meine Arbeit entsteht. Aber ich habe sehr viel zu lernen. Und ich muss nochmals sagen, ich bin meinem Team sehr dankbar. Alle sind Profis hier.»
 
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So sah das Möbelstück davor aus.