«Lieber pragmatisch vorwärts, als perfekt stillstehen»

09.11.2020

Hans-Peter Widmer-Malatesta hat die berufliche Integration bei der Caritas Luzern aufgebaut. Nun verabschiedete sich der langjährige Bereichsleiter in seine wohlverdiente Pension. Wir haben mit ihm auf 24 bewegte Jahre zurückgeschaut.

Vor knapp einem Vierteljahrhundert startete Hans-Peter Widmer-Malatesta seine Tätigkeit bei der Caritas Luzern mit der Errichtung des Bauteilmarktes in Sursee. Kurz darauf wurde er von der Geschäftsleitung damit beauftragt, alle Beschäftigungsprogramme unter einem Dach zusammenzulegen und zu koordinieren. Vier Jahre später, im Jahr 2000, begann er als Bereichsleiter und Geschäftsleitungsmitglied, den heutigen Bereich der beruflichen Integration aufzubauen. «Damals war noch vieles möglich. Konzepte schrieben wir meist erst, wenn das Angebot schon stand», erklärt er augenzwinkernd.
 
Bereits im Spätsommer 2000, fast schon übermütig, konnte er die Geschäftsleitung von einem neuen Standort, der Bleicherstrasse in Luzern, überzeugen. Das war ein richtungsweisender Entscheid für die Gesamtorganisation. «Der Mietzins war nicht gerade klein. Ich sehe heute noch das bleiche Gesicht von Werner Riedweg, dem damaligen Geschäftsleiter, vor mir, als ich den Antrag einreichte.»
 
Über die Jahre kamen viele weitere Standorte und Geschäftsfelder dazu. Stillstand war nie eine Option für Widmer-Malatesta. «Es war sicher nicht immer für alle einfach, mit mir, meinen verrückten Ideen und meiner Getriebenheit umzugehen», gibt er lachend zu. Doch sein ausserordentliches Engagement zeigte Wirkung: Heute ist die Caritas Luzern die grösste Anbieterin von Angeboten in der beruflichen Integration in der Zentralschweiz. Bis zu 300 Plätze stehen Menschen, die stellenlos sind oder von Sozialhilfe leben zur Verfügung: Die Arbeitsplätze sind in Velowerkstätten, Restaurants, in einer Schreinerei oder im Räumungs- und Abholservice in Luzern, Hochdorf, Sursee, Baar und Kerns.
 
«Vor allem für ältere Berufsleute, die ihre Stelle verlieren, und für Ungelernte ist der Wiedereinstieg schwierig», so die Erfahrung von Hans-Peter Widmer-Malatesta. «Unsere Aufgabe ist es, die Teilnehmenden der Arbeitsintegrationsprogramme so gut wie möglich auf den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Sie sollen viel lernen und wichtige Erfahrungen mitnehmen können. Wir möchten konkrete Arbeit anbieten, nicht einfach nur ‹beschäftigen›.
 
In den letzten 24 Jahren hat sich in der beruflichen Integration viel verändert ­­– vor allem gesetzlich. Die Arbeitslosenversicherung wurde verschärft, die Stellensuchenden haben immer weniger Taggelder zur Verfügung. Auch lastet ein massiver Spardruck auf den Gemeinden. «Es wird gespart auf dem Buckel der Erwerbslosen und Ausgesteuerten», bedauert Hans-Peter Widmer-Malatesta.

Die grossen Herausforderungen für die Zukunft sieht er in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft: «Wir wären natürlich froh, wenn alle Leute eine Stelle finden und es uns nicht mehr geben müsste. Doch das ist illusorisch. Darum müssen wir noch enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten.»

Diese Aufgabe übergab er diesen Herbst seinem motivierten Team und der neuen Leiterin Karin Hunziker. Er freut sich darauf, nun mehr Zeit mit seiner Frau und seinen Enkelkindern verbringen zu können. «Hoffentlich geht mein alter Leitspruch auch nach meinem Abschied nicht vergessen», fügt er abschliessend an. «Lieber pragmatisch vorwärts, als perfekt stillstehen.»