Schritt für Schritt zum grossen Ziel – Bildung und Beratung für Stellensuchende

04.11.2019
Die Caritas Luzern unterstützt Erwerbslose auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt. Unsere Coaches der Abteilung Bildung und Beratung für Stellensuchende sind dabei mit ganz unterschiedlichen Schicksalen konfrontiert.

Im Caritas-Gebäude an der Grossmatte 10 in Littau herrscht emsiges Treiben. Über vier Stockwerke verteilt befinden sich die Schreinerei, das Werkatelier, die Velowerkstatt, das öffentlich zugängliche Personalrestaurant Grossmatte und viele weitere Arbeitsbereiche. Zahlreiche stellensuchende Männer und Frauen gehen hier ein und aus, um an einem realitätsnahen Arbeitsplatz wertvolle Praxiserfahrungen zu sammeln oder von einem der verschiedenen Bildungsangebote zu profitieren.

Viele der Teilnehmenden kommen via RAV zur Caritas Luzern, andere über das Sozialamt. «Ob jung oder alt, ob Schweizerin oder Ausländer – unsere Teilnehmenden haben ganz unterschiedliche Hintergründe», erklärt Margrit Schaller, Kursleiterin und Coach der Abteilung Bildung und Beratung für Stellensuchende. Was viele vereint, ist die Tatsache, dass sie keine Ausbildung abgeschlossen haben. Und weil ein Problem selten allein kommt, leiden sie darüber hinaus nicht selten unter Schulden sowie familiären oder gesundheitlichen Problemen. «Die Lebensgeschichten sind oft komplex und mit Brüchen versehen», weiss David Jund, Leiter der Abteilung.

Angebot stärkt Selbstvertrauen

Das Arbeitsintegrationsprogramm der Caritas Luzern besteht aus einem viermonatigen Arbeitseinsatz und kann mit einem zusätzlichen zweimonatigen Praktikum in der Privatwirtschaft ergänzt werden. Zudem nehmen die Teilnehmenden an persönlichkeitsorientierten und fachspezifischen Weiterbildungen teil. In drei Einzelcoachings lernen sie, worauf es bei einer Bewerbung ankommt oder wie sie an einem Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck machen. «Manche sehen es als Chance, andere befinden sich einer Negativspirale und sind deshalb nur schwer zu motivieren», sagt Fátima Sticher, Mitarbeiterin des Bildungs- und Beratungsteams. Viele Betroffene müssten zuerst die Kränkung der Kündigung verdauen, ehe sie sich auf eine neue Herausforderung konzentrieren könnten.

Bildung und Beratung für Stellensuchende bei der Caritas Luzern

Besonders für Personen über 50 sei es schwierig, nach längerer Erwerbslosigkeit wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzusteigen. Dasselbe gilt für Flüchtlinge, die nicht nur durch sprachliche Defizite, sondern auch durch ihren Aufenthaltsstatus (F) eingeschränkt sind. «Der Druck in der Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren gestiegen», sagt David Jund. «Unsere Teilnehmenden sind häufig motiviert, aber sie können nicht immer mit dem hohen Tempo Schritt halten.» Oder es fehlen ganz einfach passende Stellen. Die bittere Konsequenz: Menschen, die vielleicht nicht mehr ganz so schnell und effizient arbeiten können oder keine Ausbildung abgeschlossen haben, verlieren früher oder später den Anschluss. Natürlich gibt es aber auch andere, erfreulichere Geschichten: «Etwa 40 Prozent der Teilnehmenden können während des Arbeitsintegrationsprogramms oder im Anschluss daran eine befristete oder unbefristete Stelle im ersten Arbeitsmarkt antreten», sagt David Jund, der schon seit 20 Jahren bei der Caritas Luzern tätig ist. Und auch diejenigen Teilnehmenden, die nicht sofort eine Stelle finden, profitieren von dem Angebot. «Für die meisten Teilnehmenden wirkt das Angebot stabilisierend und förderlich für das Selbstvertrauen.»


Die ganze Welt an einem Ort

Obwohl ihre Arbeit täglich neue Herausforderungen mit sich bringt, betonen sämtliche Mitarbeiterinnen des Bildungs- und Beratungsteams, dass die Freude in ihrer Arbeit überwiege. «Ich habe selbst einen Migrationshintergrund und hatte schon früh Kontakt zur Caritas», sagt Teufika Denzler. So wie sie ihre Klientinnen und Klienten bei Lernprozessen begleite, lerne auch sie regelmässig von den Teilnehmenden. Was ihr an der Arbeit bei der Caritas Luzern besonders gefalle, sei der Kontakt zu ganz unterschiedlichen Menschen und Kulturen. «Mir kommt es jeweils so vor, als würde man hier die ganze Welt antreffen.» Bei Margrit Schaller ist es besonders «das Interesse am Menschen», das den Job ausmache. «Ich bin immer wieder fasziniert von den Biografien, die ich hier antreffe. Und es ist jedes Mal ein befriedigendes Gefühl, wenn wir eine Person erfolgreich auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt begleiten können.»
 
Auch Fátima Sticher schätzt die Abwechslung ihres Jobs. Und dies, obwohl die Arbeit mit den Betroffenen manchmal belastend sein kann. «Besonders, wenn Kinder von der Situation betroffen sind.» Die Coaches haben ihre eigenen Methoden, nach einem schwierigen Tag die nötige Distanz zu finden. «Manchmal spaziere ich nach getaner Arbeit am See entlang. Das hilft mir, den Kopf zu lüften und auf andere Gedanken zu kommen», sagt etwa Fátima Sticher. Margrit Schaller schätzt zudem besonders den Austausch mit ihren Kolleginnen. «Diese Psychohygiene ist für mich sehr wertvoll.»