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Unterstützung auf dem Weg in ein schuldenfreies Leben

14.01.2019

Ein zu eng gestricktes Budget, eine Zahnarztbehandlung oder der eine Kredit zu viel: Häufig braucht es nicht viel, um in die Schuldenfalle zu tappen – dafür aber umso mehr, um wieder herauszukommen. Unterstützung bietet die Sozial- und Schuldenberatung der Caritas Luzern.

Die Schweiz gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Das bedeutet jedoch nicht, dass hierzulande alle Menschen wohlhabend sind. Im Gegenteil: In unserem Land leben rund 630‘000 Personen in einem Haushalt mit mehreren Zahlungsrückständen. Das sind rund 8.1 Prozent der Bevölkerung.

«Armut ist für viele Menschen Realität», sagt Heidi Ragonesi. Die 59-jährige Sozialarbeiterin weiss, wovon sie spricht. Seit bald 20 Jahren arbeitet sie bei der Sozial- und Schuldenberatung der Caritas Luzern. Gemeinsam mit ihren drei Kolleginnen und Kollegen bietet sie Menschen in schwierigen Situationen individuelle Hilfe an. Nebst der Schuldenberatung bieten die Fachpersonen der Caritas auch Unterstützung bei Problemen mit Ämtern und Behörden sowie bei schwierigen persönlichen oder familiären Situationen.

Regelmässig kommt es zudem vor, dass Menschen am Caritas-Schalter auftauchen, weil sie nichts mehr zu essen haben. In solchen Fällen helfen Heidi Ragonesi und ihr Team den Betroffenen mit Kosten- oder Lebensmittelgutscheinen für den Caritas-Markt.

Immer komplexere Fälle

Sozial- und Schuldenberatung

Wie aber geraten die Betroffenen überhaupt in die Schuldenfalle? «Das passiert sehr schnell», weiss Ragonesi. «Sind die Mittel sonst schon knapp, reicht häufig eine ungeplante Zahnbehandlung, um das Budget zu kippen und in die Verschuldung zu rutschen.» Oft braucht es dann nicht mehr viel, bis die Betroffenen mit einem Sack voll ungeöffneter Rechnungen bei der Caritas vorbeikommen.

Um gar nicht erst in diesen Teufelskreis zu geraten, rät Ragonesi allen Betroffenen, sich möglichst früh Hilfe zu holen. «Leider kommen die Leute häufig erst dann zu uns, wenn sie nicht mehr weiter wissen.» Auch deshalb seien die Fälle im Vergleich zu früher komplexer geworden. «Der Weg aus der Schuldenfalle ist fast immer ein langfristiger Prozess», betont Sozialarbeiter Samuel Höhn.

Struktur ist das A und O

Um einer betroffenen Person helfen zu können, gilt es sich zuerst einen Überblick zu verschaffen. «Die Betroffenen wissen oft nicht, wo sie anfangen sollen», sagt Frida Rebsamen. Umso wichtiger sei es deshalb, Struktur in den Fall zu bringen.

«Wir müssen wissen, wie viel Geld die Betroffenen haben, für was sie es ausgeben, wie viele Kredite sie haben – und wo potenzielle Einsparmöglichkeiten liegen.» Gemäss Rebsamen wissen die Betroffenen nämlich häufig selber nicht, wo ihr Geld hinfliesst.

Wer nun glaubt, nach einem Besuch bei der Caritas seien alle Betroffenen wieder sorgenfrei, der irrt. «Wir freuen uns über jedes Erfolgserlebnis», sagt Heidi Ragonesi. «Doch leider gibt es auch viele Leute, die nicht aus dem Teufelskreis rauskommen – und die immer wieder zu uns zurückkommen.» Im schlimmsten Fall geht es dabei ums Existenzielle. «Es ist wichtig, dass die Leute spüren, dass sie nicht allein gelassen werden.

Hart sei die Situation auch für ältere Leute über 50, die plötzlich ihren Job verlieren. «Diese Menschen kämpfen oft nicht nur mit Geldsorgen, sondern auch mit gesundheitlichen Problemen und Existenzängsten», so Ragonesi.

Team Sozial- und Schuldenberatung

Die Tücken der bargeldlosen Gesellschaft

Für Sozialarbeiter Samuel Höhn gibt es einen zusätzlichen Aspekt, der die Leute heute noch leichter in die Schuldenfalle tappen lässt als früher: die rasant voranschreitende Digitalisierung. «Diese macht das Geld weniger fassbar.» Als Beispiel erwähnt Höhn die Möglichkeiten des kontakt- und bargeldlosen Bezahlens. «Je mehr mit Karten und auf Kredit bezahlt wird, desto schwieriger ist es, den Überblick zu behalten.»

Ein Dorn im Auge sind den Caritas-Mitarbeitenden auch die privaten Kreditinstitute, die mit aggressiver Werbung Jagd nach Kunden machen. «Dass solche Kredite bei bereits bestehenden Geld-Problemen keine gute Idee sind, merken die Betroffen leider häufig erst zu spät.» Heidi Ragonesi und ihr Team sind sich einig, dass hier auch die Politik gefordert ist, mit strikten Regelungen und Präventionsmassnahmen gegen diese Entwicklung vorzugehen.

Dieser Artikel erschien auch im Caritas-Magazin «Nachbarn» 1/2018.

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