Rege Diskussion um Sterbebegleitung in Luzern

17. September 2018

Am Freitag fand eine Fachtagung der Caritas Luzern zum Thema Palliative Care statt. Über hundert Teilnehmende aus Pflege, Seelsorge und Freiwilligenarbeit diskutierten über die Sorgekultur in der Zentralschweiz. Mit teils überraschenden Ideen.
 
Im Zentrum MaiHof in Luzern sprachen am vergangenen Freitag Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen für einmal ganz offen über ein Thema, das sonst eher hinter vorgehaltener Hand aufkommt: das Sterben. Gegenstand der Tagung war unter anderem das Konzept der «Caring Communities», welche das Leben und Sterben nicht nur Profis und Ehrenamtlichen überlässt, sondern eine ganze Gemeinschaft einbezieht.
 
Die beiden Referenten, Susanne Kränzle als Leiterin des Hospizes in Esslingen und Andreas Heller, Professor für Palliative Care an der Universität Graz, gaben vorerst Inputs aus ihrer Erfahrung wieder. So wies Heller darauf hin, dass zwei Drittel der Menschen gern zuhause sterben würden – was allerdings bei den heutigen Begebenheiten nur für die wenigsten möglich ist. Er fasste zusammen: «Sterben ist zu stark institutionalisiert; der Mensch sollte wieder stärker im Zentrum stehen.» Weiter ging es um die Bedeutung von Freiwilligenarbeit, die es möglich macht, den Sterbenden kostbare Zeit zu schenken, wie auch um grosse ethische Fragen am Lebensende.
 
Ideen an Podium diskutiert
Im Anschluss an die Referate waren die Teilnehmerinnen eingeladen, in Gruppen an einer zukünftigen, besseren Sorgekultur zu arbeiten. Die Ergebnisse waren überraschend und vielfältig: Sie reichten von einer Art Gesundheits-Chip, welcher der Einzelne auf sich trägt, bis zu tragenden Netzwerken im näheren Umfeld. Auch eine Sorgezeit, die ähnlich wie ein Mutterschaftsurlaub bezogen werden kann oder gar obligatorisch in Form von Freiwilligenarbeit eingesetzt werden muss, wurde diskutiert. Einig waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass das Gemeinschaftsgefühl wachsen soll und die Finanzen in den Hintergrund rücken sollen. Ein Satz tauchte zudem immer wieder auf: «Das Sterben muss wieder einen festen Platz im Leben haben.»
 
Die zahlreichen Ideen der 14 Gruppen werden von der Caritas Luzern aufgegriffen und an einem Podiumsgespräch im Oktober mit Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und betroffenen Berufen diskutiert.
 
 
Hinweis
Das Podiumsgespräch  «Umsorgt und versorgt – Was verlangt gelebte Sorgekultur von den unterschiedlichen Professionen und der Politik in Luzern?» findet am 29.10.18 um 19 Uhr im Zentrum MaiHof in Luzern statt. Der Eintritt ist frei.